05. Juni 2026
Keuchend lehnte Maude an der Haustür. Sie zitterte vor Kälte und tastete mit klammen Fingern nach dem Lichtschalter. Klatschnass klebten das ärmelose Top und die Shorts an ihrer Haut. Aus ihrem Pferdeschwanz tropfte das Wasser. Rann eiskalt ihren Rücken hinab. Bri drückte sich winselnd an ihre Beine. Erleichterte atmete Maude auf, als ihre Finger endlich den Lichtschalter ertasteten und das Licht über dem Esstisch aufflammte. Und rückte ein Stück von Luc ab, der ebenfalls schwer atmend...
04. Juni 2026
Erschrocken drehte Luc sich um. Maude stand hinter ihm am Weidetor. Bisher war Maude noch nie zur Weide gekommen. Zumindest nicht während er dort war. Überhaupt hatte sie noch niemals so dicht vor ihm gestanden, dass er die Farbe ihrer Augen erkennen konnte. Sie waren dunkel. Fast schwarz. Was ihr zusammen mit dem goldblonden Haaren, die sie auf dem Kopf zu einem lockeren Dutt gedreht hatte, ein exotisches Aussehen gab. Aber der Blick aus ihren dunklen Augen war nicht auf ihn, sondern besorgt...
03. Juni 2026
Erleichtert atmete Maude auf, als sich der Staub vor dem Weidetor gelegt hatte. Es war wirklich Lucs alter Citrön, der dort angehalten hatte. Grüßend hob Luc den Arm, als er ausstieg. Luc war in Ordnung. Er respektierte, dass sie ihre Ruhe haben wollte. Grüßte freundlich, wenn sie sich begegneten. Aber zwang sie nicht in ein oberflächliches Gespräch über das Wetter. Die unfähige Regierung. Oder Fußball. Geschweige denn versuchte er, sie auszufragen. Wie es Charles aus dem...
02. Juni 2026
Luc steuerte seinen klapprigen weißen Citrön im Schritttempo durch die tiefen Schlaglöcher in der staubigen Schotterstraße. Vom Weiler Roche-Chérie am Talschluss, zog sich die Straße auf der östlichen Talseite steil empor zur alten Ferme. Nahe der Talmündung gelegen, drohnten die hellgrauen Gebäude alten Ferme dort, wo die grünen bewachsenen Hänge des Tales in die senkrecht aufragenden Felswände des Plateau du Coiron übergingen. Aus der Ferne sah es aus, als schmiegten sich die...
01. Juni 2026
Träge blinzelnd saß Maude mit halb geschlossenen Augenlidern im bläulichen Schatten des knorrigen Feigenbaumes. Das dichte Dach der handförmigen dunkelgrünen Blätter ließ keinen der gleißenden Sonnenstrahlen hindurch. Trotzdem staute sich die lähmende Nachmittagshitze zwischen den hellgrauen Bruchsteinmauern der alten Ferme und den ausladenden Ästen des alten Baumes. Es war so heiß, dass Maude die Schweißtropfen über die Stirn in die Augen liefen und das T-Shirt an ihrem...